Südburgenländische Weidegans

Das Burgenland war vor 200 Jahren die größte Gänseweide der ehemaligen Donaumonarchie. Gänse genossen hohes Ansehen und konnten eine ganze Familie mit edlen Happen, wie Braten, Leber, Suppe, Grammeln und Schmalz versorgen. Gänseschmalz lieferte zudem einen größeren Vorrat an Fett zum Kochen und begeistert noch heute als Brotaufstrich.

Der Seewinkel und die angrenzenden Gebiete Westungarns galten seit  jeher als Land der Gänse und Enten. Im 18. Jahrhundert belieferten vor allem das Nord- und Mittelburgenland (damals Deutsch-Westungarn) die Stadt Wien mit Gänsen. Damals fuhren sogenannte „Hühnerkramer“ mit ihren Käfigwagen durch die Vorstädte Wiens und boten Hühner, Gänse und Truthähne zum Verkauf an.

Gänse wurden damals auf vielen alten Landgütern gemeinsam mit Karpfen gezüchtet, weil sich Gänsemist ideal als Karpfenfutter eignet.

Gänse wurden aber nicht nur zum Verzehr gehalten, sondern auch zur Gewinnung von Federn. Der Brauch des Federschleißens, also der Trennung der Federanteile vom Kiel mit der Hand, war eine gemeinsame Aktivität  von Gänsehaltern und ihren Nachbarn, die in den kleinen Orten noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitet war. Sie hat zum gesellschaftlichen Zusammenhalt der Dorfbevölkerung beigetragen und auch zu Bewahrung traditioneller Volkslieder, die beim Federschleißen gesungen wurden.
 
Trotz der jahrhundertealten Tradition der Gänsehaltung im Burgenland sind Gänse in den 1960er Jahren, mit dem Einzug des Straßenverkehrs, fast gänzlich aus den burgenländischen Dörfern verschwunden. Nur noch wenige Höfe hielten danach Gänse und vermarkteten diese direkt Ab-Hof.  

Im Jahr 2002 starteten 10 innovative südburgenländische Bauern gemeinsam mit der Burgenländischen Landwirtschaftskammer das Projekt „Südburgenländische Weidegans“. Nach strengen Produktionsrichtlinien wurden im ersten Projektjahr 960 Weidegänse im Südburgenland gehalten. Mittlerweile hat sich das Projekt prächtig entwickelt, von den 16 derzeitigen Weidegansproduzenten werden im Jahr 2019 5250 Burgenländische Weidegänse großgezogen und vermarktet.

Die Südburgenländische Weidegans wurde im Jahr 2005 zur österreichischen Genussregion ernannt und erhielt zahlreiche weitere Auszeichnungen wie den „Kulinarischen Erbe Teller“, den Agrarischen Innovationspreis Südburgenland usw.

Der Burgenland Tourismus hat im Jahr 2012 das Thema Gans aufgegriffen und das Kulinarikfestival „Gans Burgenland“ ins Leben gerufen. Durch die Vernetzung der agrarischen Produktion und der touristischen Initiativen konnte die regionale Wertschöpfung im Land erheblich gesteigert werden. Wobei es noch großes Potenzial für die Weiterentwicklung der Südburgenländischen Weidegans gibt.

Österreichweit beschäftigen sich 270 bäuerliche Betriebe mittlerweile mit der Weideganshaltung. Diese Betriebe ziehen über 46.000 Weidegänse für Martini und Weihnachten pro Jahr groß. Der österreichische Selbstversorgungsgrad konnte dabei in den letzten 20 Jahren von 5 % auf 25 % gesteigert werden, die große Masse an Martinigänsen stammt aber nach wie vor aus Intensivtierhaltungen aus dem Ausland, vor allem aus Ungarn.

Zur Genuss Region Südburgenländische Weidegans gehören die Gemeinden Bad Tatzmannsdorf, Badersdorf, Bernstein, Bildein, Bocksdorf, Burgauberg-Neudauberg, Deutsch Kaltenbrunn, Deutsch Schützen-Eisenberg, Eberau, Eltendorf, Gerersdorf-Sulz, Grafenschachen, Großmürbisch, Großpetersdorf, Güssing, Güttenbach, Hackerberg, Hannersdorf, Heiligenbrunn, Heiligenkreuz im Lafnitztal, Inzenhof, Jabing, Jennersdorf, Kemeten, Kleinmürbisch, Kohfidisch, Königsdorf, Kukmirn, Litzelsdorf, Loipersdorf-Kitzladen, Mariasdorf, Markt Allhau, Markt Neuhodis, Minihof-Liebau, Mischendorf, Mogersdorf, Moschendorf, Mühlgraben, Neuberg im Burgenland, Neuhaus am Klausenbach, Neustift an der Lafnitz, Neustift bei Güssing, Oberdorf im Burgenland, Oberschützen, Oberwart, Olbendorf, Ollersdorf im Burgenland, Pinkafeld, Rauchwart, Rechnitz, Riedlingsdorf, Rotenturm an der Pinka, Rudersdorf, Sankt Martin an der Raab, Sankt Michael im Burgenland, Schachendorf, Schandorf, Stadtschlaining, Stegersbach, Stinatz, Strem, Tobaj, Tschanigraben, Unterkohlstätten, Unterwart, Weichselbaum, Weiden bei Rechnitz, Wiesfleck, Wolfau und Wörterberg.

Weitere Infos unter:
Koordinator Ing. Dipl.Päd. Christian Reicher
Stremtalstraße 21a, 7540 Güssing
Tel.: +43 3322 426 10-22
Mobil: +43 664 410 20 06
christian.reicher(at)lk-bgld.at
www.weidegans.at

Foto © Rita Newman